Theater.

Ich kann manches schwer erzählen oder beschreiben, weil es manchmal zu nah am Herzen dran sitzt, da komm ich so schwer hin. Mit den Worten.
Ein Jahr lang hatte ich bis letzten September nichts mehr mit Theater zu tun und vielleicht war das die kleine aber nötige Distanz. Um es dadurch vielleicht aufschreiben zu können.

Ich bin als Verkleidungskind auf die Welt gekommen. Es war das erste was ich tat, wenn wir bei Freunden meiner Eltern zu Besuch waren. An die Verkleidungskiste stürmen und Polizistkapitänin oder Ritterkrokodil zu sein. Der Wäschekorb war das allerbeste Schlachtschiff der Welt und überhaupt!

  

Mein Herz schwappt über wenn ich im Theater bin. Dort bin ich zuhause. Dort bin ich bei mir selbst. Nicht aus dem Traum irgendwann Schauspielerin zu sein. Nein. Sondern durch das schauspielen die Möglichkeit zu bekommen in mich selbst hineinzublicken.
Mit allen Facetten die man besitzt, oder nicht einmal wusste das diese Facetten im Ansatz in mir vorhanden sind. In Abgründe tauchen, sie aushalten, sich über seine Schmerzgrenzen schieben oder geschoben werden. Weg vom Disneytheater, und hin zur Ästhetik. Was sich beides nie ausschließt, sondern bedingt und ergänzt.

 

Jetzt ist fast ein Jahr später. Alle Wochenenden gemacht, alle Dozenten gesehen, alle Räume durchlaufen, überquert, begriffen, bespielt und bebaut. Mit dem Körper in Hüllen geschlüpft, Gebilde gebaut und prügeln geübt. Bis zur richtigen Ohrfeige hat es fünfzehn Versuche gebraucht, aber dann geknallt.

Bis der Text an den Platz rückt, dauert es ein Jahr und ich kann ohne Text viel mehr erzählen als mit. Der Subtext ist unausweichlicher Begleiter.
In Kisten gestapelt, Lücken gefüllt, gestaunt als ob Weihnachten wäre. Da steht man im Bühnenbild und es ist nicht aus Pappkarton. Es ist zum anfassen, ich kann hindurchspielen und es spielt mit mir. Ich, wir, sind immer in Interaktion, in Kommunikation. So begreife ich mir selbst Welt.

“Meine Kommunikation ist das miteinander.”

Zwei Tage später beginnen die Haupt- und Endproben für unser Stück. Ein Stück im Stück im Stück. Wir liegen zu Musik in Kisten und auf dem Boden, haben die Augen geschlossen und atmen. Unser Selbst soll die Bühne einnehmen. Unserer Rolle, unser Begleiter für das Stück soll nach und nach folgen. In der halben Stunde, bevor wir vor Publikum spielen, erinnern wir uns an diese Übung. Neun Mal hintereinander.

Die Proben sind Kraftakte, Experimente in Sprache, in Gesang aber vor allem in Emotionen. Allen steht das Herz kurz vor dem platzen und jeder merkt das Lampenfieber das sich einstellt. Die Nächte sind kurz aber der Schlaf intensiv. Die Stunden am Morgen wenn der Rest der Truppe noch schläft oder noch bei sich zu Hause ist, sind mit die inspirierensten.
Der Nachmittag findet auf Picknickdecken statt. Dort wird der Rest ausgetauscht, der bis das Theater zuende gespielt ist ein bisschen auf Platz 2 rückt.

Dann ist Premiere und ich bekomme nichts mit vor lauter Technik und meinen Wegen die ich und meine Figur auf der Bühne zurücklegen. Ich singe zum ersten Mal in meinem Leben so, als ob ich alleine im Auto bin und niemand zuhört, weil ich frei bin. Ich falle, weil meine Rolle es muss. Ich tanze und kann innehalten. Das erste mal seit 20 Minuten im Stück, in der ich kurz aus mir herausspickeln kann. Da ist viel Freude auf der Bühne, das kann ich spüren. Bei allen. Selbst hinter dem Publikum wo unsere Regiesseure sitzen. Alle halten die Daumen für uns!

Es gibt diese Premiere in 1400 Bildern zerstückelt und nicht eines gibt dieses Theaterstück wieder. Das kann ich nur wissen, weil ich in diesem Raum war. Das ist die Qualität von Theater. Es ist lebendig.

Als wir das Stück zum letzten Mal spielen, fühle ich mich an einen besonderen Probentag erinnert. An diesem saßen wir in einem Raum mit Treppen und Emporen und spielten “Gefängnis”. Wir saßen einfach erstmal da und atmeten mit geschlossenen Augen. Und ich war mir meiner wirklichen Rolle noch überhaupt nicht sicher, bis sie plötzlich da war. Sie war in mich hineingeschlüpft und hat mich von hinten überrollt. Ich war noch nie so in einer Rolle verhakt und fiel und fiel und fiel…

So war es an der Derniere auch… ich fiel und fiel und fiel hinein. Wie Alice ins Wunderland und ich in dieses Stück. Für immer. Und die Bandits, die bleiben. Auf Fotos und als Freunde. Als Whatsapp-Wecker und Roadtrips. Als Huddeldurchlauf um Mitternacht im Schlafanzug. Als ich Trompete spielte und in der Badewanne einschlief. In der Turnhallte mit Hüpfburg.

  

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