Der Kolonialwarenladen und das Kino

Wenn mir meine Mutter von meinen Wurzeln erzählt, dann träumt sie sich oft weit weg.
Ich kenne die Großeltern meiner Mutter nur von Bildern und einzelnen kleinen Erinnerungsfetzen.

Die schwarzen Locken und die zusammengesteckten Haare. Ihre Hände. Wie ich einmal fast an einem Überaschungseipinguin erstickt wäre. Der Schäferhund aus Porzellan auf der Häkeldecke. Die Schublade voller Zitronat und “Krumbere mit Fleckelche”. Spaziergänge auf den Friedhof der für mich eher Park anstatt Friedhof war und wie ich das Krankenhausessen meiner Oma essen durfte, weil sie Dame und wählerisch und stur war.

Ich habe noch weniger Erinnerungsfetzen an meinen Opa. Er war Musiker und wenn ich Geigen oder Saxophone höre, dann denke ich jedesmal an ihn. Noch viel weniger weiß ich von meinen Ur-Ur-Großeltern, die in einem anderen Jahrhundert als Donauschwaben in Ungarn/Serbien gelebt haben. Aber ich weiß, dass sie einen Kolonialwarenladen und ein Kino besaßen.

Ich wäre gern Zeitreisende. Würde gerne mehr wissen, hätte gerne mehr Fotos und Geschichten die ich mal erzählen kann.
Das denke ich oft, wenn ich mit meiner Großmutter (väterlicherseits) telefoniere, die noch immer so viel von früher weiß und sich so viel behalten hat. Die seit 1920 alles miterlebt hat, wie mein eigenes persönliches Geschichtsbuch mit den abenteuerlichsten, grausamsten, mutmachenden, ergreifendsten Geschichten.

Gerade klingelt das Telefon. Pünktlich. Zeit für neue Erinnerungsfetzen.

2 thoughts on “Der Kolonialwarenladen und das Kino

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