Jetzt hab doch endlich mal Geduld!

Warte! Sagt mir mein Inneres.

Aber auf was denn?

Ich kann Dinge manchmal kaum erwarten. Ich kann ja auch meistens auf andere Dinge nicht warten.

Ich kann Dinge oft fast nicht aushalten und ich kann oft noch schlechter anhalten.
Mit dem Fahrrad oder mit den Gedanken oder den Launen oder dem Herzen.
Immer im Fluss sein und immer weiter fließen.
Wie Wasser sich Wege suchen. Überall hin.

Aber bei all dem warten hab ich das “sich freuen” nicht verlernt, z.B. freu mich auf die ersten Schneeflocken.
Auf der Zunge.
Auf dem Gesicht.
Auf dem Haar in den Händen.

Ich freu mich.
Ich freue mich oft, wegen Kleinigkeiten und
Ich freu mich auf den Winterschlaf und ich freu mich vorallem auf den Frühling.

Aufs Frühlingserwachen!

Jetzt hab doch mal Geduld. Jetzt wart doch mal ab! Sagt mein Inneres.

Aber auf was warten?
Auf den Bus oder die Bahn?
Auf ein neues Jahr?
Auf dich ? Oder auf mich?
Auf den nächsten Sommer, den nächsten Winter
den nächsten Frühling oder den übernächsten Herbst?

Ich möchte JETZT Schnee und ich möchte SOFORT danach Frühling und ich möchte GLEICH Sommer haben und mit Muscheln kuscheln und DANACH mir im Herbst das Haar vom Wind zerzausen und vom Regen die Locken rauskitzeln lassen.

Ich mag mit dem Wind rennen und in Laubhaufen hüpfen!
Und dann am liebsten einschlafen und aufwachen.
Augen zu und dann im selben Moment Augen auf!
und einen Schneemann bauen oder eine Schneeballschlacht anzetteln oder eine Eisbar bauen oder ein Iglu und drin übernachten und mit Decken drin überwintern oder…

WARTE sagt mein Inneres!
Wart es ab und wolle,
nicht immer alles auf einmal.
Sondern mal schön eines nach dem anderen.

Und dann, dann hörst du dein Inneres.
Es tickt und es tackt und es klickt und es klackt.

Du stehst! BEWEG DICH MAL!
Aber du stehst und dir fällt gar nicht ein in welche Richtung du gehen kannst.

Du singst! SING DOCH MAL WAS!
Aber du bist stumm, weil dir kein Lied einfällt das du singen kannst oder zur Stimmung passt.

Du sprichst! SAG DOCH MAL WAS!
Aber du schweigst, weil alle Worte dir wie alle Regenschirme, die du je in deinem Leben besessen hast,
abhanden gekommen sind.

Keine Wörter mehr, wo da doch so viel Gedanken sind.
Keine Gedanken mehr, wo doch da so viele Gefühle sind.
So viele Gefühle und so wenig Mensch, denkst du dir manchmal.
Manchmal platzen Menschen vor lauter Gefühlen.
Und dann ist da nichts mehr.

Keine Menschen mehr und keine Gefühle.
Manchmal macht das Angst.

Aber dann, dann gehst du. Weil dir die Schritte leicht fallen und du genau weißt wohin.
Aber dann, dann singst du. Weil du endlich in dein Inneres hörst und nach aussen schiebst was raus muss!
Aber dann, dann sprichst du. Weil dir immernoch die Worte gehören, die du dir ausdenken kannst, und weil diese Worte genauso in die Welt gehören wie Punkte und Kommas und Ausrufzeichen oder schlimmer wie Gesetzte und Verbote.

Aber dann, dann fühlst du, endlich einmal wieder dich.
Wo du stehst und was du fühlst und was du sagen willst undoder musst.
Endlich kommen all die Worte zurück und scheren sich nicht um Kommas
oder richtige Zeichensetzung oder angemessene Zeitformen, Konjunktiv oder Ablativ.

Überhaupt! Was ist ein Ablativ und überhaupt sollten viel mehr Sätze mit überhaupt enden!

Und überhaupt ist das hier ja noch nicht zu Ende. Am Ende ist ja immer noch ein Fazit. Ein Schlusspunkt. Eine Moral der Geschichte auch wenn es keine Geschichte ist. Eine Erkenntnis auch wenn ich nichts erkannt hab. Ein wasweisicheigentlichundüberhaupt! Und überhaupt!

Eigentlich weiß ich wenig, aber das wenige kenn ich gut.

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